{ Über die Essenz des digitalen Zeitalters: Rufus Pollock zum European Data Summit in Berlin }

19.11.2018 von Knut Hühne, Johannes Filter, Thomas Tursics

Über die Essenz des digitalen Zeitalters: Rufus Pollock zum European Data Summit in Berlin

Am 24. Oktober war Rufus Pollock, Gründer von Open Knowledge International und Entwickler der Datenportalsoftware CKAN im Rahmen des European Data Summits der Konrad Adenauer Stiftung in Berlin. Zur Eröffnung der Veranstaltung teilte er in einer Keynote seine Einschätzung dazu, wie die Zukunft der digitalen Welt aussehen sollte und was sie heute schon besonders macht.

Die Keynote startete mit der Frage “Was ist das Neue an der digitalen Ökonomie?” Das Publikum lieferte diverse Antworten - so zum Beispiel vereinfachte Kommunikationsmöglichkeiten oder höhere Effizienz durch technologischen Fortschritt - doch erst der Vorschlag der “kostenlosen Vervielfältigung” (engl. costless copying) war das, worauf Pollock hinauswollte. Diesen Punkt verdeutlichte er anschließend mit einer Frage an das Publikum. Das Publikum solle sich drei Dinge vorstellen - eine Banane, eine Film-DVD und eine Tablette eines Medikaments. Die Frage lautete nun: Welches dieser drei Dinge ist nicht wie die anderen? Zur Überraschung vieler argumentierte er, dass die Banane das Besondere sei. Die Kosten, die bei der Herstellung eines Films oder eines neuen Medikaments anfallen sind hoch aber auch einmalig. Einen Film zu drehen oder ein Medikament zu entwickeln, ist aufwendig und teuer - eine weitere Kopie des Films oder des Medikaments herzustellen hingegen quasi kostenlos. Eine zweite Banane herzustellen kostet jedoch etwa genau so viel wie die erste Banane.

Da nun die Herstellung einer weiteren Kopie quasi kostenlos ist, ist es möglich, das gleiche Produkt oder den gleichen Service einer deutlich größeren Nutzer*innengruppe zur Verfügung zu stellen. Dies widerum führt zu einer vermehrten Monopol-/Duopolbildung. Der Anbieter des besten Produktes kann es nun an quasi beliebig viele Kund*innen vertreiben. Dies wäre etwa im Bananenbeispiel anders. Der Anbieter der besten oder günstigsten Banane kann nur so viele von ihnen vertreiben, wie zur Verfügung stehen. Ein Problem, das es in der Welt der kostenlosen Kopien nicht mehr gibt.

Um diesem Problem abhilfe zu schaffen, forderte Pollock alternative Finanzierungsmodelle für digitale Dienstleistungen. So könnte zum Beispiel ein staatliches Spotify, ähnlich zu dem deutschen Rundfunkbeitrag, Künstler*innen finanzieren. Der Staat würde die Rahmenbedinungen schaffen, jedoch nicht selbst entscheiden, welche Musik produziert werden würde. Ein weiteres Beispiel sind Geoinformationsdaten, sprich Karten. Diese sollen ebenfalls kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Die Wartung derer könnte durch diejenigen finanziert werden, die die Änderungen verursachen: in erste Linie die Immobilienwirtschaft. Flüsse ändern nur selten ihren Verlauf, warf Pollock schnippisch ein.

Diese und weitere Ideen lassen sich in Pollocks Buch “The Open Revolution” nachlesen, das auf der Website bestellt oder kostenfrei heruntergeladen werden kann. Kommt zu uns ins Open Knowledge Lab am 03.12.2018 und lasst uns gemeinsam über die Inhalte des Buches kritisch diskutieren. Wir werden in einem kurzem Vortrag die Kernthesen zusammenfassen. Ihr seid jedoch herzlich eingeladen, vorab das gesamte Buch zu lesen.

Einen ausführlichen Bericht der Veranstaltung gibt es von Walter Palmetshofer im Blog der Open Knowledge Foundation Deutschland und das Video von Pollocks Auftritt auf Youtube.