{ Sebastian Askar - der neue Open Data Beauftragte von Berlin }

07.08.2015 von Tobias, Thomas und Knut

Sebastian Askar - der neue Open Data Beauftragte von Berlin

Berlin hat einen neuen Open Data Beauftragten: Sebastian Askar. Sein Vorgänger Dr. Both geht in den Ruhestand und Sebastian Askar übernimmt seine Stelle. Dies nahmen wir als Berliner Open Data Lab zum Anlass, ihn einzuladen. Am 20. Juli 2015 war es soweit - Sebastian Askar kam ins OKLab Berlin. Was bei diesem gegenseitigen Kennenlernen besprochen wurde, soll dieser Artikel festhalten.

Herr Askar berichtet, dass seine Tätigkeit als Open Data Beauftragter und Ansprechpartner zum Thema für Berlin ein Drittel seiner Aufgaben umfasst. Seine Stelle ist in der Senatsverwaltung für Wirtschaft angesiedelt, wie auch das Datenportal von Berlin. Daher ist zu erwarten, dass der monetäre Wert von offenen Daten oft als Argument heran gezogen werden muss, um Entscheidungsträger zu überzeugen. Herr Askar stellt sich vor, dass auf jeder Bezirkswebseite ein eigener Bereich für Daten existieren könnte. Dann würde das Datenportal diese Daten einfach katalogisieren. Von den 12 Berliner Bezirken hat nur Steglitz- Zehlendorf mit Christian Hanuschke einen eigenen Open Data Beauftragten.

Erste Taten und Ziele

In der Anfangsphase möchte Herr Askar bedarfsorientiert nachfragen und bietet an, konkrete Wünsche aus der Community in die Verwaltung zu tragen und die richtigen Ansprechpartner zu finden. Aktuell wird an der Integration der Geodaten in das Datenportal gearbeitet, welche gleichzeitig über den FIS-Broker verfügbar sind. Dazu hat Herr Askar mit verschiedenen Ansprechpartnern gesprochen - wir empfehlen die Kontaktaufnahme mit Frau Zweer, die bereits im Februar im OKLab Berlin zu Gast war. Ein individueller Vorstoß von Berlin war die kostenlose Freigabe des 3D-Modells der Stadt, wodurch bewusst ein Millionenbetrag im Haushalt auf der Einnahmenseite gestrichen wurde. Andere Bundesländer bieten dies nicht an. Herr Askar fokussiert außerdem die Zusammenarbeit mit den landeseigenen Betrieben. Er ist bereits mit den Berliner Wasserbetrieben und der BSR im Gespräch. Sobald diese Unternehmen Daten freigeben, ist ein Hackathon als Auftaktveranstaltung angedacht. Weiterhin ist die BVG ein interessanter Partner.

Das Datenportal

Gerade wird eine How-To-Broschüre für das Datenportal erstellt, die die Datenbereitsteller in der Verwaltung als Zielgruppe hat. Aktuell werden 100 Exemplare davon gedruckt. Wir haben nachgefragt, ob wir die PDF-Version nach der Veröffentlichung bekommen können. Das Datenportal basiert auf der technischen Plattform CKAN. Diese ist Open Source. Berlin hat den Betrieb und die Wartung an BerlinOnline ausgelagert. Das OKLab bietet an, aktiv bei der Weiterentwicklung der Software mitzuhelfen. Um dies zu können, muss der Quellcode der für das Datenportal genutzten Software-Module veröffentlicht werden. Herr Askar erkundigt sich, ob dies möglich ist. Das OKLab stellt anhand einiger Beispiele dar, an welchen Stellen das Datenportal verbessert werden könnte. Derzeit fehlt eine vollständige Übersicht der letzten Datensätze und Anwendungen. Auf der Webseite werden die letzten fünf Einträge für jeden Bereich angezeigt. Alles, was darüber hinaus geht, ist nicht abrufbar. Wenn also mehr als fünf Datensätze hinzugefügt oder aktualisiert werden, ist dies nicht sichtbar. Im Bereich “Interaktion” können angemeldete Benutzer Kommentare und Anfragen übermitteln. Das OKLab weißt darauf hin, dass diese nicht zeitnah erscheinen - in der Vergangenheit erst nach Wochen oder Monaten. Benutzer erhalten keinerlei Information darüber, was mit ihrer Nachricht geschieht. Das OKLab schlägt vor, die Nachrichten sofort anzuzeigen und beim nachträglichen Moderieren zu helfen, sowie einfache Fragen selbst zu beantworten. Herr Askar erkundigt sich, ob wir einen entsprechenden Zugang zum System bekommen können. Das OKLab erklärt, dass Berlin zwar viele Dienste anbietet, die auf Daten basieren (Wartezeiten, Wetterdaten, Energiedaten, Wasserqualität, …), aber keine zentrale Übersicht über diese existiert. Nicht alle Daten sind freigegeben. Die Stadtverwaltung könnte eine Übersicht solcher technischen Schnittstellen beispielsweise unter “api.berlin” veröffentlichen.

Kommunikation

Das OKLab schlägt vor, soziale Medien wie Twitter für die Kommunikationen aller aktuellen Geschehnisse zu nutzen. Wir sind davon überzeugt, dass das Datenportal und die Open Data Entwicklung in Berlin von der viralen Weiterverbreitung der Neuigkeiten profitieren würde. Um die Open Data Akteure in Berlin besser zu vernetzen, schlägt Herr Askar vor, dass sich die Technologiestiftung Berlin, das OKLab Berlin und er alle zwei Monate treffen. Das OKLab stimmt diesem Treffen zu. In der Vergangenheit gab es bereits einen von Daniel Dietrich organisierten Open Data Stammtisch, den man wiederbeleben könnte.

Die gesetzliche Basis

Das E-Government-Gesetz für Berlin ist in der Vorbereitung. Einer von 50 Punkten betrifft das Thema Open Data. Herr Askar berichtet, dass eine Sitzung bereits stattgefunden hat und der Rat der Bürgermeister einen Entwurf des Gesetzes geprüft hat. Nach einer zweiten Sitzung kommt das Gesetz ins Abgeordnetenhaus (bis zu drei Hauptsitzungen plus Unterausschüsse) - vor 2016 ist mit einer Verabschiedung des Gesetzes nicht zu rechnen.

Veranstaltungen

Der Berlin Open Data Day (BODDy) (nicht zu verwechseln mit dem Internationalen Open Data Day im Februar) fällt dieses Jahr wegen Zeitmangel für die Organisation aus. Nächstes Jahr könnte er mit der Verabschiedung des E-Government-Gesetzes zeitnah stattfinden.


Siehe auch